Full text : Der Wiener Salvator Mundi : Tizians "Christus mit der Weltkugel" in neuem Licht (25)

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Materieller Befund

Aus der Sicht der

Restauratorin50

Als Bildträger fungiert eine eher dicht gewebte Leinwand, deren ursprüngliches
 Format weitgehend unverändert ist. Die Leinwand war jedoch zunächst
 für eine Komposition im Querformat vorgesehen: Die Röntgenaufnahme
 (Abb. 15) zeigt eine links etwas angeschnittene Madonnenfigur in
kleinerem Maßstab, die an frühere Madonnen-Kompositionen Tizians
 erinnert (s.a. Beitrag Wencke

Deiters).51
Die malerische Ausführung dieser ersten Komposition wurde im frühen
 Stadium abgebrochen oder verworfen und der Bildträger, gedreht um
90°, für die Darstellung des ‒ lebensgroßen ‒ Christus mit der Weltkugel
verwendet.52

Die näheren Gründe dafür kennen wir nicht, jedenfalls dürfte
 die erste Komposition ihre Funktion verloren haben.

Unter der (sichtbaren) Bildoberfläche liegende abweichende Bildanlagen
 sind in Tizians Werk keine Seltenheit, vielmehr ein Charakteristikum
seiner Arbeitsweise: In den strahlendiagnostischen Aufnahmen (v.a. Röntgen-
 und/oder Infrarotreflektographieaufnahmen) seiner Gemälde zeigt

Elke Oberthaler

Abb. 15
Röntgenaufnahme
(siehe auch Innenseite
des Umschlags)
            
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