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Materieller Befund
Aus der Sicht der
Restauratorin50
Als Bildträger fungiert eine eher dicht gewebte Leinwand, deren ursprüngliches
Format weitgehend unverändert ist. Die Leinwand war jedoch zunächst
für eine Komposition im Querformat vorgesehen: Die Röntgenaufnahme
(Abb. 15) zeigt eine links etwas angeschnittene Madonnenfigur in
kleinerem Maßstab, die an frühere Madonnen-Kompositionen Tizians
erinnert (s.a. Beitrag Wencke
Deiters).51
Die malerische Ausführung dieser ersten Komposition wurde im frühen
Stadium abgebrochen oder verworfen und der Bildträger, gedreht um
90°, für die Darstellung des ‒ lebensgroßen ‒ Christus mit der Weltkugel
verwendet.52
Die näheren Gründe dafür kennen wir nicht, jedenfalls dürfte
die erste Komposition ihre Funktion verloren haben.
Unter der (sichtbaren) Bildoberfläche liegende abweichende Bildanlagen
sind in Tizians Werk keine Seltenheit, vielmehr ein Charakteristikum
seiner Arbeitsweise: In den strahlendiagnostischen Aufnahmen (v.a. Röntgen-
und/oder Infrarotreflektographieaufnahmen) seiner Gemälde zeigt
Elke Oberthaler
Abb. 15
Röntgenaufnahme
(siehe auch Innenseite
des Umschlags)