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Die Bildgenese
Die Röntgenaufnahme
(Abb.
15) zeigt eine andere Komposition (siehe auch den
Beitrag von Elke Oberthaler), für deren erste Anlage die Leinwand im Querformat
verwendet wurde
(Abb.
10). Es handelt sich um eine halbfigurige Madonnendarstellung,40
die in der linken Bildhälfte gut nachvollziehbar ist. Mit leicht
geneigtem Kopf in Dreiviertelansicht wendet sie sich ihrem Kind zu. Eine Hand
– wohl jene der
Madonna41
– umfasst das ausgestreckte Bein des
Kindes,42
das
sich in einer Diagonale zur Bildmitte
bewegt.43
Auch in der Salvator Mundi-Darstellung
der englischen Privatsammlung (ehemals Sammlung Lord Darnley;
Abb. 7) ist in der Röntgenaufnahme im Querformat eine Madonnendarstellung
mit Kind zu erkennen. Es handelt sich um eine Fassung der sog. Madonna
Aldobrandini (London, The National Gallery), die auf den Beginn der dreißiger
Jahre datiert
wird.44
Für Wien kann der genaue Prototyp der Madonnendarstellung nicht ausgemacht
werden. Sie verweist auf frühe Kompositionen Tizians: Die Mutter Gottes
mit Kind steht in ihrer Kopfhaltung frühen Madonnendarstellungen Tizians wie
jener in Bergamo (Accademia, Carrara, um 1507/08‒1510; Abb.
11)45
nahe.
Der in der Röntgenaufnahme aufscheinende Madonnentypus, bei dem Ohr
und Nackenlinie sichtbar sind, dürfte meines Wissens von Tizian zum ersten
Mal in der Wiener Kirschenmadonna (um 1515/16) für eine halbfigurige
Abb. 10
Röntgenaufnahme im Querformat, Tizian, Christus mit der Weltkugel. Wien,
Kunsthistorisches Museum (siehe auch Innenseite des Umschlags)