Full text : Albtraumhaft Schön : Rubens' Wiener Medusenhaupt trifft auf die Brünner Fassung (23)

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Ansichtssachen

Mit diesem Katalogheft dokumentieren wir eine durchaus spektakuläre wie
»monströse« Begegnung: Gemeint sind zwei Darstellungen derselben Szene und
Sagengestalt. Sie zeigen die Gorgone Medusa, bei deren Anblick, so die Sage,
jedermann zu Stein wurde, weshalb der Held Perseus ihr schließlich das Haupt
abtrennte. Das Ergebnis ist das Sujet beider Werke. Sie begegnen sich wohl zum
allerersten Mal seit ihrer Entstehung in der Werkstatt des Peter Paul Rubens —
wie ein schauriges Zwillingspaar. Eine der beiden blutreichen Inszenierungen
gelangte nach Brünn (Brno), während eine weitere Version, der Sammelwut Erzherzog
 Leopold Wilhelms für seinen Bruder Ferdinand III. sei es gedankt (!), in
den Besitz der Habsburger kam und bis heute in Wien zu sehen ist.

Wie bei anderen erfolgreichen Bildideen hat Rubens mehrere Fassungen abgeliefert,
 um die Nachfrage nach einer bestimmten Komposition zu bedienen.
 Rubens befand sich dabei wohl im Wettstreit mit Leonardo und Caravaggio. Dies
sowie die Provenienzen der beiden Gemälde thematisiert die 23. Ausgabe unserer
Ausstellungsreihe Ansichtssachen; der Besucher kann im direkten Vergleich aber
auch bewundern, wie unterschiedlich Rubens auf Holz und Leinwand malte.

Die Ausstellung steht im Kontext eines größeren Forschungsvorhabens, das
großzügig durch die Regierung Flanderns unterstützt wird. Ich danke daher sehr
herzlich Herrn David Maenaut, Generalrepräsentanten der Flämischen
 Regierung, für sein großes Engagement, das die Zusammenarbeit unseres Hauses
mit der Mährischen Galerie in Brünn und mit der Forschergruppe AXES der
Abteilung für Chemie der Fakultät für angewandte Ingenieurswissenschaften an
der Universität Antwerpen ermöglichte. Diese interdisziplinäre wie internationale
 Kooperation hat aber nicht nur zur Reise der Medusa von Brünn nach Wien
und damit zum direkten Vergleich der beiden Gemälde geführt, sondern gestattete
 uns auch die umfangreiche Untersuchung der materiellen Beschaffenheit
 beider Gemälde — vor allem unter Einsatz der sogenannten Makro­Röntgenfluoreszenz­Spektrometrie
 (Macro­XRF­scans).
            
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