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Aus der Sicht eines Zeitgenossen des Rubens:
Medusa in Amsterdam
Im Fall von Rubens’ Medusa wissen wir über ihre Wirkung auf Zeitgenossen: Der
holländische Humanist und Politiker Constantijn Huygens (1596–1687) (Abb. 10)
beschreibt 1629/30 das Medusenhaupt von Rubens, das er in der Sammlung seines
Freundes, des reichen Kaufmanns Nicolaes Sohier
(1588–1642),20
gesehen
habe,21
und zwar in Amsterdam, im Haus »met de Hoofden« (mit den Häuptern) an der
Keizersgracht 123 (Abb.
11).22
Huygens berichtet — nachdem er Rubens als den Apelles, den Malerfürsten,
vorgestellt hat — von einem für ihn unvergesslichen Bild: dem abgeschlagenen
Haupt der Medusa, umgeben von Schlangen, das »zwar noch reizvoll ist, aber
doch einen grauenhaften Anblick bietet, weil der Tod soeben eingetreten ist und
abscheuliche Schlangen den Kopf umgeben, mit einer solchen unbeschreiblichen
Überlegung komponiert, daß den Betrachter Entsetzen (terror) ergreift — das Bild
ist nämlich normalerweise durch einen Vorhang verdeckt — daß er aber die
Darstellung trotz ihrer Gräßlichkeit genießt, weil sie lebendig und schön
ist.«23
Nicolaes Sohier war ein sehr reicher Kaufmann, dessen Familie aus den
südlichen, spanischen Niederlanden stammte: Sein Vater Hugo Sohier (c. 1550–
1592) war 1572 von Mons nach Antwerpen gezogen, das er 1585, als die Stadt von
den Spaniern rückerobert wurde, aber verließ, um nach Köln zu gehen, wo
Abb. 10: Paulus Pontius
nach Anthonis van Dyck,
Constantijn Huygens.
Amsterdam, Rijksmuseum