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MADONNA
MIT
JESUSKIND
UND
JOHANNESKNABEN
Im Rahmen der Neuaufstellung der Gemälde der italienischen Hochrenaissan-
ce im Saal III der Gemäldegalerie wurde im Jahr 2013 die Holztafel mit der
Darstellung der Madonna mit Jesuskind und Johannesknaben (Abb. 1) einer
umfangreichen Restaurierung unterzogen, welche die Farbenpracht und die fei-
ne Modellierung der Figuren wieder zum Vorschein gebracht hat. Das auf diese
Weise zurückgewonnene Gemälde aus der Werkstatt des florentinischen Malers
Andrea del Sarto kann nun wieder die Präsentation der Renaissancemalerei
Mittelitaliens bereichern.
Die im Rahmen der Restaurierung durchgeführten technologischen Untersu-
chungen, wie die Betrachtung unter UV-Licht, Infrarotreflektografie- und Rönt-
genaufnahme sowie die Untersuchung mit Röntgenfluoreszenzanalyse, haben
unsere Erkenntnisse zur Bildgenese und Restauriergeschichte dieses Gemäldes
erweitert und zugleich auch einen wesentlichen Beitrag zur kunsthistorischen
und stilistischen Diskussion geliefert. Neben zahlreichen später am Gemälde
vorgenommenen Maßnahmen und Ausbesserungen konnten besonders der
Aufbau des originalen Bildträgers und die Malschichten näher betrachtet
werden.
Das Gemälde kam im späten 18. Jahrhundert in die kaiserlichen Sammlungen.
Am 15. April 1780 verkaufte es der mailändische Edelmann Giuseppe Sturio-
ne, Major im Preissischen Infanterie-Regiment des kaiserlichen
Heeres,1
für
300 Dukaten als Werk des florentinischen Malers Andrea del
Sarto2
an die
Gemäldegalerie.
Die Holztafel wurde 1796 mit dieser Zuschreibung von Joseph Rosa in der Ga-
lerie im Belvedere
ausgestellt.3
Bereits 1881 stellte Eduard von Engerth die Au-
torenschaft Sartos in Frage und hielt eine Zuordnung an Giuliano Bugiardini
für
wahrscheinlicher.4
Bernard Berenson schrieb das Gemälde 1909 zum ersten
Mal Francesco di Cristofano Giudici gen. Franciabigio (1484–1525), einem
1
Giovanni Battista di Crollalanza, Dizionario storico-blasonico, Bd. II, Pisa 1888, 99.
Der Name des Regiments bezieht sich auf den Regiment-Inhaber General Johann
Franz Joseph Peter Freiherr von Preiss (1704–1797).
2
Eduard von Engerth, Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses,
Gemälde. Beschreibendes Verzeichnis, 3 Bde., Bd. I: Italienische, spanische und fran-
zösische Schulen, Wien 1881, 282, Nr. 172; Elisabeth Hassmann, Quellen und Re-
gesten zur Schatzkammer, Gemäldegalerie und zu den drei Kabinetten aus dem Ar-
chivbestand des k. k. Oberstkämmereramtes 1777 bis 1787 mit einem Nachtrag zu
den Jahren 1748 bis 1776, in: Jahrbuch des Kunsthistorischen Museums Wien 15/16,
2013/2014, 158, Nr. 158.
3
Joseph Rosa, Gemälde der k. k. Gallerie. Erste Abtheilung. Italienische Schulen,
Wien 1796, 122 f., Nr. 7.
4
Engerth 1881 (zit. Anm. 2), 292, Nr. 410.
1. EINLEITUNG
Zur Restaurierung des Gemäldes Madonna mit
Jesuskind und Johannesknaben aus der Werkstatt
von Andrea del Sarto und einige technologische
Beobachtungen
Francesca Del Torre Scheuch und Jutta Höflinger
Abb. 1: Werkstatt Andrea del Sartos, Madonna mit Jesuskind und Johannesknaben. 1518/19. Öl auf Pappelholz, 114,3–115 x 89,3 cm.
Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie, Inv.-Nr. 208.