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Eine Auferweckungsszene
Das monumentale, über 2 mal 3 Meter messende Gemälde erzählt eine Geschichte,
deren Grundzüge sich bereits der bloßen Betrachtung erschließen: Der Jüngling,
der halb am Boden, halb im Schoß einer Frau liegt, scheint gestorben zu sein –
jedenfalls erinnert das weiße Laken, in das er gehüllt wurde, an ein Grabtuch. Zudem
ist die schöne junge Frau, die rechts von ihm auf dem Boden kniet, in Trauer
versunken. Währendessen wendet sich die andere, weniger auffällige Frau flehend
dem herangetretenen Bischof zu. Mit einer Gebärde, die an eine Segnung erinnert,
hat dieser seine Rechte erhoben. Wer mit christlicher Ikonographie vertraut ist,
wird darin die Absicht erkennen, den Jungen zum Leben zu erwecken. Als großgewachsene,
schwer und mächtig wirkende Figur mit goldener Mitra und ebensolchem
Pluviale ist der Bischof von sich aus eine beeindruckende Figur. Seine Autorität
wird zusätzlich betont durch den alten Pilger, der sich ihm von links auf Knien
und mit einer Gebärde, die inbrünstigen Glauben ausdrückt, nähert. Wird der Junge
wirklich erweckt werden? Zuversichtlich stimmt der Umstand, dass der Oberkörper
des Jungen bereits leicht angehoben worden ist. Und während der auf die
Schulter gesunkene Kopf und der zu Boden hängende Arm Leblosigkeit andeuten,
ist das Gesicht doch nicht dasjenige eines Toten, eher eines Schlafenden – oder
eben das Gesicht eines, der gerade wieder zum Leben erweckt wird.
Das Wunder des hl. Zenobius
Welche Geschichte hier tatsächlich dargestellt ist, blieb lange Zeit
unklar.5
Die
traditionelle Bezeichnung als Auferweckung des Knaben durch den hl. Martin
von Tours wurde erst 1965 von Walter Vitzthum
korrigiert.6
Er erkannte, dass der
Wunder wirkende Heilige als einer der Stadtpatrone von Florenz, der hl.
Zenobius, zu identifizieren ist.
Zenobius war im späten 4. und frühen 5. Jahrhundert Bischof von Florenz und
wurde bereits früh als Heiliger verehrt. Eine ausführliche Schilderung eines von
ihm erwirkten Erweckungswunders findet sich in einer über tausend Jahre später,
im Jahr 1475 verfassten Heiligenvita. Der Autor, Clemente Mazza, damals
Kaplan am Florentiner Dom, erzählt: Eine wohlhabende Frau aus Gallien befand
Abb. 3: Gedenktafel
an das Zenobius-Wunder
aus dem
Jahr 1400. Florenz,
Borgo degli Albizi,
Palazzo Altoviti