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Ein Hauptwerk von Cortonas Meisterschüler
In der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums hat sich ein Hauptwerk des
italienischen Barockmalers Ciro Ferri (Rom 1633–1689) erhalten, das bislang kaum
Beachtung
fand.1
Ferri war ein Schüler und Mitarbeiter von Pietro da Cortona,
einem der Erfinder des römischen Hochbarock. »Kein anderer Schüler von Pietro
da Cortona imitierte seinen Lehrer so erfolgreich, kein anderer machte sich dessen
Schönheiten und bizarre Erfindungen so zu eigen wie Ciro Ferri«, schrieb Ferris
Biograph Lione Pascoli
(1730–1736).2
Der vielseitig begabte Künstler (Abb.
2)3
war
nicht nur als Maler, sondern auch als Bildhauer und – seine abundante graphische
Produktion belegt es – Entwerfer von Architekturen zwischen Rom und Bergamo
tätig. Als Verbreiter des ›Cortonismus‹ etablierte er eine barocke Formensprache,
die eine neue Generation von Malern und Bildhauern nachhaltig prägte.
Im Jahr 1659 war Ferri von Rom nach Florenz übersiedelt, um einen umfangreichen
Auftrag zu vollenden, den sein Lehrer in den späten 1630er-Jahren vom
toskanischen Großherzog Ferdinando II. angenommen und 1649 abgebrochen
hatte: die Freskendekoration der Planetensäle im Palazzo Pitti. Rasch wurde Ferri
zum Lieblingsmaler von
Großherzog Cosimo III.;
an dessen Hof und in diesem
kulturellen Ambiente
schuf Ferri zahlreiche bedeutende
Gemälde, darunter
auch das hier gezeigte
großformatige Werk, mit
dem er einmal mehr unter
Beweis stellte, dass er
nicht nur ein hervorragender
Freskenmaler war,
sondern auch im Bereich
der Staffeleimalerei höchsten
Maßstäben zu genügen
vermochte.4
Ansichtssache #22
Gudrun Swoboda
Abb. 2: Ciro Ferri,
Selbstportrait. Florenz,
Galleria degli Uffizi