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Datierung
Der Entstehungszeitraum des Gemäldes liegt zwischen 1659, als Ferri nach Florenz
ging, und dessen Abreise nach Bergamo im September 1665. Anfang Oktober desselben
Jahres wurde das Bild, wie gesagt, bereits beschrieben. Deutliche stilistische
Parallelen finden sich nicht nur in Ferris panegyrischen Entwürfen für die
Teppiche Papst Urbans VIII., sondern auch in dem von den Medici im Anschluss
an die Pitti-Ausstattung in Auftrag gegebenen Gemälde der Himmelfahrt Mariae,
das auf Wunsch des österreichischen Erzherzogs Ferdinand Karl einen Teil der
Deckenausstattung von SS. Annunziata bilden sollte. Das gemeinsam mit dem aus
Bologna stammenden Maler Marcantonio Franceschini und dem Flamen Livio
Mehus begonnene Werk blieb bei Ferris Abreise 1665
unvollendet.31
Vom Palazzo Pitti in Florenz nach Wien
Die Stelle im Nachlassinventar von Kardinal Leopoldo de’ Medici (1675/76) nennt
Ferris Monumentalgemälde nicht nur als das größte der 34 Bilder der Stanza dei
Mappamondi, es wird auch vermerkt, dass es Leopoldo testamentarisch seiner
Schwester Anna de’ Medici (1616–1676) vermacht
hatte.32
Anna de’ Medici, ein
Jahr jünger als Leopoldo, war seit 1646 mit ihrem viel jüngeren Cousin Erzherzog
Ferdinand Karl von Tirol verheiratet. Das Paar reiste mehrere Male von Innsbruck
nach Florenz – sie schätzten das gesellschaftliche Leben am Hof der Medici und
hatten mehrfach Gelegenheit, die Kunstsammlungen zu
besuchen.33
Die Vermutung
liegt nahe, dass Anna auch nach dem Tod ihres Gemahls 1662 zu ihrer Familie
in Florenz gereist ist und das große Gemälde Ferris bereits im Palazzo Pitti
gesehen hat. Als Annas Tochter Claudia Felicitas 1673 mit Kaiser Leopold I. verheiratet
wurde, begleitete sie die Mutter nach Wien.
Das Gemälde dürfte also nach 1676 von Florenz (über Innsbruck?) nach Wien
gelangt sein, wo es als »Bischoff Martinus« erstmals im Katalog der kaiserlichen
Sammlungen im Oberen Belvedere von Christian von Mechel 1783
aufscheint.34
Das
Halsband des Hundes links im Bild trägt eine alte Nummer »524«, die bislang keiner
historischen Aufstellung zugeordnet werden konnte. Mechel schrieb das Bild
Pietro da Cortona zu; in den späteren Katalogen (bis Engerth 1881) wird es als
Arbeit von Lazzaro Baldi, danach von Oskar Pollak wieder als Cortona angesehen
(Kat.
1928).35
Die Zuschreibung an den Cortona-Schüler Ferri gelang erst Hermann
Voss
1924.36
In der Literatur wurde das große, auffallend gut erhaltene Gemälde
bislang kaum diskutiert. Noch im Verzeichnis von 1991 galt es fälsch licherweise als
»seltenes Beispiel« für eine Darstellung des Wunders des hl. Martin von
Tours.37
Damals befand sich das Werk allerdings seit Jahrzehnten im Depot; erst 2005 sollte
es von Wolfgang Prohaska wieder in die Galerie geholt werden. Die zuletzt durchgeführten
Forschungen haben gezeigt, dass es sich um ein Werk von Rang handelt,
das, für den bedeutendsten Kunstsammler der Medici im 17. Jahrhundert geschaffen,
voll von bemerkenswerten Kunstgriffen und subtilen malerischen Anspielungen ist.