16
Aus der Sicht der Restauratorin Ina Slama
Maltechnologische Untersuchungen bestätigen, dass Ciro Ferri bei der Wahl
der Materialien größten Wert auf die Verwendung höchster Qualität gelegt
hat. Beispielsweise besteht der originale, heute rund 7
m2
messende Bildträger
aus nur einer einzigen
Leinwand1
und nicht – wie bei den meisten
Großformaten – aus mehreren miteinander vernähten Leinwandstücken.
Diese Leinwand musste mit deutlich größerem (Kosten)Aufwand auf einem
doppelt breiten Webstuhl hergestellt werden. Die darauf aufgebrachte Grundierung
war, im Gegensatz zu den meisten Grundierungen im Italien des
17. Jahrhunderts, nicht rötlich-braun, sondern in einem hellen Graubeige
gehalten, wodurch insgesamt die kühle Tonalität des Bildes bestimmt
wurde. Ausgehend von Skizzen, vor allem aber von einer quadrierten Vorstudie
(siehe den Beitrag von Gudrun Swoboda), vergrößerte er die Komposition
und übertrug diese mit dem Pinsel und kohlen stoffreicher schwarzer
Farbe auf den grauen Untergrund. Ferris Palette enthielt neben Bleiweiß,
verschiedenen Erdpigmenten, rotem Farblack, Ultramarinblau und Kohlenstoffschwarz
vermutlich auch Bleizinngelb, Zinnober und Kupferpigment.
Das farb- und kostenintensive Ultramarin kommt allerdings nicht nur in
den blauen Gewändern vor, sondern ebenso als Ausmischung mit rotem
Farblack im rötlich violetten Kleid der knienden jungen Frau.
Der Malschichtauftrag ist vielschichtig, und die Körnung der Pigmente
ist auffallend inhomogen, wodurch unterschiedlich raue Oberflächen entstehen
(Abb. a). Hinzu kommt, dass der Farbaufbau generell eher opak
angelegt und die Konsistenz der Farben beim Auftrag mit dem Pinsel – mit
Abb. a: Gesicht des hl. Zenobius