Full text : Ein Maler als Modell : Van Dycks Porträt von Pieter Soutman (21)

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Einführung

Die Porträts sind der populärste und am eingehendsten erforschte Teil des
 Oeuvres von Sir Anthonis Van Dyck. Obwohl der Künstler, seine Gemälde und
viele seiner Modelle bekannt sind, entziehen sich einige seiner Sujets immer
noch der Identifikation; oder deren Identität wurde vor Jahrhunderten schriftlich
niedergelegt und ging dann verloren.

Dies ist der Fall bei Van Dycks lebensvollem Porträt eines Mannes im Kunsthistorischen
 Museum Wien (Abb. 1),   dessen Identifikation im Zentrum dieser
 Untersuchung steht. Gemäß einer jüngst erfolgten Neuüberprüfung von Primärquellen
 und einer archivalischen Neuentdeckung stellen wir die Hypothese auf,
dass Van Dycks aWttraktives   Modell, der bisher unbekannte Mann, nunmehr
identifiziert ist, nämlich als   Pieter Soutman (1593/1601−1657), Maler und Kupferstecher
 im niederländischen Goldenen Zeitalter.

Das Gemälde

Das Gemälde (Abb. 1) zeigt Kopf und Schultern eines jungen Mannes mit fast
schulterlangem Haar, gezwirbeltem Schnurr- und Spitzbart vor einer teilweise
sichtbaren Säule auf der einen Seite und einem Vorhang auf der anderen.

Es ist mit dem großen Selbstvertrauen und der Sparsamkeit der Mittel ausgeführt,
 wie sie so typisch für Van Dycks eigenhändige Werke sind. Pinselstriche
von rasch hingeworfenem impasto vergegenwärtigen den Vorhang (Abb. 2), den
Kragen (Abb. 3) und den Ärmel (Abb. 4). Die Untermalung der Leinwand ist beim
Ärmel noch sichtbar. Van Dyck verwendete sie bei der  Wiedergabe der Kleidung,
wie auch bei den Tafelgemälden seiner ersten  Antwerpener Zeit bis

1621.2
Das Gemälde wurde beschnitten (siehe die Beiträge von Gerlinde Gruber,
Ina Slama und Eva Goetz). Das Originalformat lässt sich möglicherweise noch
bei einer wesentlich sorgfältiger ausgearbeiteten Dreiviertel-Version des Porträts
im Louvre erkennen, mit der es in Verbindung gebracht wurde (Abb.

5).3

Darin
steht der Mann neben einer Säule; hinter ihm ein Vorhang. Seine rechte Hand
ruht elegant auf seiner Hüfte und die andere auf dem Griff seines Degens. Das
 Louvre-Gemälde ist weiter gediehen als jenes in Wien, und es finden sich durchaus
 auch noch andere Unterschiede. Um das exakte Verhältnis zwischen den
beiden zu bestimmen, sind weitere Forschungen unumgänglich.

Ansichtssache #21

Justin

Davies1
            
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