Full text : Ein Goldschmied und seine verborgene Seite (19)

3

Ansichtssachen

Kunsthandwerkliche Kostbarkeiten »made in Augsburg« erfreuten sich im 16. Jahrhundert
 überregionaler Berühmtheit. Neben dem Adel stimulierte jetzt besonders
auch die zu Reichtum gelangte Bürgerschicht die Nachfrage. Es waren also goldene
 Zeiten, vor allem für Goldschmiede. Zu den bedeutendsten Meistern dieser
Kunst zählte Martin Marquart. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist er es, der auf
dem Gemälde unserer Ansichtssache #19 zu sehen ist. Selbstbewusst tritt er als
Produzent wie als Konsument von Luxusartikeln auf. Indem er eine prachtvolle,
silberne Kanne vorweist, lässt er uns nicht nur eine seiner Meisterleistungen bestaunen,
 sondern inszeniert sich auch als Mitglied der Augsburger Oberschicht.
Kostbare Kleidung sollte dabei seinen gesellschaftlichen Status unterstreichen. In
einem Reichserlass des 16. Jahrhunderts heißt es dann auch, dass »sich jeder,
[gleich] wes Würden oder Herkommen er sei, nach seinem Stand, Ehren und Vermögen«
 kleiden möge. Und ein aus schwarzem Seidenatlas gefertigtes Wams, wie
es Marquart trägt, konnten sich natürlich nur die wohlhabend sten Zeitgenossen
leisten. Als Goldschmied gehörte Marquart zu den Spitzenverdienern seiner
Zunft. Doch lässt sich noch viel mehr aus diesem Bildnis herauslesen!

Guido Messling, Kurator für deutsche Malerei, hat das Gemälde dazu aus dem
Depot befreit. Mit dem vorliegenden Katalogheft lädt er ein, Entstehung und
Funktion des Porträts genauer in den Blick zu nehmen. Jutta Höflinger, die als
Restauratorin an der Gemäldegalerie tätig ist, verdanken wir die sorgfältige Reinigung
 und Restaurierung, nebst entsprechender Dokumentation. Beiden gilt meine
besondere Anerkennung für die Realisierung der Ausstellung. Aber auch allen
Kolleginnen und Kollegen, die darüber hinaus zum Entstehen von Präsentation
und Publikation beigetragen haben, möchte ich wie immer herzlich danken.

Stefan Weppelmann
Direktor der Gemäldegalerie
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.