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Ein KannenEntwurf in London
Eine von Martin Marquart geschaffene Goldschmiedearbeit hat sich anscheinend
nicht erhalten; sein Goldschmiedezeichen bleibt daher unbekannt. Unser Bildnis
wiederum erlaubt es aber zumindest, ihm bzw. seiner Werkstatt einen farbig
aquarellierten Entwurf einer (sicherlich für eine LavaboGarnitur konzipierten)
Kanne im Londoner Victoria and Albert Museum zuzuschreiben, der dort bislang
unter den anonymen Arbeiten liegt (Abb.
5).21
Auf den ersten Blick mögen zunächst
vor allem die Unterschiede ins Auge fallen, die der Londoner Aufriss zu
dem Gießgefäß auf unserem Gemälde zeigt. Betrachtet man jedoch, wie beide
Kannenkörper jeweils durch umlaufende Frieszonen und durch Maureskenfelder
gegliedert werden, die sich als vergoldete Zierelemente wirkungsvoll von den
silbernen Oberflächen abheben, treten die Gemeinsamkeiten stärker hervor.
Hier wie dort finden sich zudem zwei höhenversetzt angeordnete, maskaronartige
Köpfe sowie stark geschwungene Henkel, die aus einer Herme geformt sind
und am Ansatz zum Mündungsrand noch zusätzlich die Figur eines Satyrs zeigen.
Die enge Verwandtschaft machen aber nicht zuletzt die Ringe an den Kannenhälsen
und die leicht gebogenen Tüllen deutlich: Während deren Unterseiten
beide Male einen goldenen Zierstreifen aufweisen, sind die Aus guss lippen
anstelle der üblicheren Perlen mit einer Art Seilstab geschmückt. Vorstellbar
ist, dass in der Londoner Zeichnung ein alternativer oder sogar der ursprüngliche
Entwurf jener Kanne vorliegt, mit der sich Marquart dann in dem Wiener
Abb. 4
Nikolaus Schmidt,
Krug und Becken einer
Lavabo-Garnitur, um 1592.
Wien, Kunsthistorisches
Museum, KK 1124 und 1138