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Ansichtssachen
Um 1530 finden die ersten Taschenuhren Absatz unter wohlhabenden Bürgern.
Nürnberg und Augsburg avancieren zu führenden Zentren des Uhrmacherhandwerks.
Rasch erfreuen sich die beiden Reichsstädte einer internationalen Nachfrage
nach den kostbaren, technisch raffinierten Zeitmessern. Es wundert daher
nicht, wenn noch am Ende des 16. Jahrhunderts aus Italien verlautet: »die Germanen
sind heute stolz auf dieses Handwerk, weil alle schönen und genauen
Uhren von dort kommen« (Tommaso Garzoni, 1595). Wenn Ulrich Ehinger, dessen
Bildnis gemeinsam mit dem seiner Frau Ursula im Mittelpunkt unserer Ausstellung
steht, eine geöffnete Taschenuhr vorzeigt, so bezieht er damit nicht nur
Eigenschaften wie Verlässlichkeit oder Genauigkeit auf sich selbst. Vielmehr
dürfte mit der Uhr auch ein stolzer Verweis auf die Verbundenheit seiner Familie
mit Augsburg gemeint sein. Ulrich Ehinger, der einen steilen Aufstieg bis in die
unmittelbare Nähe Karls V. erlebte, hatte in eine der wichtigsten dortigen Kaufmannsfamilien
eingeheiratet. Geschaffen wurden die beiden Bildnisse von Christoph
Amberger, seinerzeit dem begehrtesten Augsburger Porträtisten. Welche
genaue Bedeutung sie hatten, entschlüsselt Guido Messling, Kurator für die
Deutsche Malerei am Kunsthistorischen Museum, im vorliegenden Band. Ihm
gilt mein herzlicher Dank. Stellvertretend für die vielen Kolleginnen und Kollegen,
die regelmäßig zum Gelingen dieser Ausstellungsreihe beitragen, möchte ich
auch Ute Tüchler und Georg Prast, Restauratoren an der Gemäldegalerie, dankend
erwähnen. Beide haben das Bildnis Ulrich Ehingers vor einiger Zeit untersucht
bzw. ersten Pflegemaßnahmen unterzogen, und wir hoffen, dass wir bald
die lange Zeit im Depot verwahrten Werke restaurieren können. Schließlich ist
es mir eine große Freude hervorzuheben, dass die Reihe der Ansichtssachen
durch eine großzügige private Spende Unterstützung erfährt, für die ich besonders
herzlich danke.
Stefan Weppelmann
Direktor der Gemäldegalerie