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integriert wurden, gehörten sie nicht zur stattlichen Zahl von insgesamt neun
Gemälden, die dem Publikum als Arbeiten des Augsburger Malers präsentiert
wurden, sondern verblieben im
Depot.12
Die Gründe dürften nicht zuletzt in dem
schon von Woltmann beklagten Zustand der Bilder zu suchen sein, der eine gerechte
Beurteilung lange erschwert haben wird: Bevor Ludwig von Baldass die
nun neutraler als Porträts eines SantiagoRitters und dessen Gemahlin titulierten
Werke 1932 erstmals in der Schausammlung zeigen konnte, mussten erst, wie er
schreibt, großflächige Übermalungen entfernt
werden.13
Kaufmann und Ritter in kaiserlicher Gunst
Baldass war es auch, der die Uhr in der Hand des Mannes erstmals als einen
Kompass betrachtete – eine Benennung, die sich zur Vita des Dargestellten perfekt
zu fügen schien, als Kühnert in diesem vor einigen Jahren den schon eingangs
erwähnten Ulrich Ehinger
erkannte.14
Denn bei diesem handelte es sich in
der Tat um einen weitgereisten Handelsherren: Zusammen mit seinem älteren
Bruder Heinrich zählt Ulrich sicher zu den bekanntesten oberdeutschen Kaufleuten,
die Anfang des 16. Jahrhunderts in Spanien tätig waren, wohin Mitglieder
dieses weitverzweigten Konstanzer Patrizierclans bereits im 15. Jahrhundert
enge Handelsbeziehungen gepflegt hatten. Wenn das als tragbare Uhr erkannte
Instrument damit zwar als innerbildlicher Hinweis auf seine Verflechtungen im
Fernhandel ausscheiden muss, spielt es als ein Luxusobjekt erster Güte immerhin
doch auf den besonderen gesellschaftlichen Status an, den Ulrich Ehinger genoss.
So ist etwa bekannt, dass der Nürnberger Rat solche kleinmechanischen
Wunderwerke bei dem Uhrmacher Peter Henlein bestellte, um sie hochgestellten
Persönlichkeiten zu
verehren.15
Um eine solche hat es sich auch bei Ulrich Ehinger
gehandelt: Er stand offenkundig in der besonderen Gunst Karls V., der seit
1517 auch spanischer König war und sich bevorzugt auf der iberischen Halbinsel
aufhielt. So nahm Karl ihn im Jahre 1525 in Toledo in den Reichsadelsstand auf
und ernannte ihn zwei Jahre später in Burgos nicht nur zum Kaiserlichen Rat,
sondern gewährte ihm auch das Privileg des Freisitzes, das heißt der Niederlassungsfreiheit
im
Reichsgebiet.16
Als Großmeister des SantiagoOrdens, dem er
bereits seit 1516 vorstand, verantwortete Karl V. schließlich auch die Aufnahme
Ulrichs in diesen exklusiven Zirkel, die wohl 1531, wie wir noch sehen werden,
erfolgt ist.
Diese hier nur in ihren Höhepunkten skizzierte Bilderbuchkarriere war Ulrich
an sich nicht in die Wiege gelegt, als er am 25. Juni 1485 in Konstanz als
zweitgeborener Sohn des Patriziers Hans Ehinger (1456 – 1505) und der Margaretha
Neidhardt (1460 – 1513) das Licht der Welt erblickte. Als gleichsam
vorbestimmt kann vielleicht seine kaufmännische Tätigkeit im Fernhandel gelten,
der nach dem Vater schließlich auch seine drei Brüder Heinrich (1484 –
1537?), Hans (1487 – 1546) und Georg (1503? – 1537) nachgehen sollten; selbst
mit der Mitgliedschaft im Großen Rat der Bodenseestadt, dem er von 1509 bis