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Aus der Sicht des Restaurators
Bearbeitungsmerkmale und Bestand
Der Bildträger ist eine aus fünf Brettern bestehende Tafel (Lindenholz, P. Klein
1980). Im 19. Jahrhundert wurde die Tafel bis auf 4–5 mm gedünnt und
parkettiert (Abb. A). Damit gingen auch mehrere Formatveränderungen an
den Bildrändern einher (s.a. S. 21). Auf einem Photo von 1912 (Abb. 11)
zeigt sich die Wiener Judith dem Betrachter durch Holz-Ansetzungen von
6 cm bis 3,5 cm größer als heute. Wenig später bereits bekunden Vermerke
deren Wiederabnahme:
»die
Anstückungen auf allen Seiten wurden entfernt«
(1916, Karl Proksch, Restaurierbuch 1), bzw. »Wiederherstellung
des ursprünglichen Formats« (Galerieakt Z:33/1916–1919). Derzeit sind
drei schmale Ansetzungen von je 1 cm vorhanden, die vom Zierrahmen
verdeckt werden.
Im Zuge der aktuellen Restaurierung kamen am oberen und unteren
Bildrand originale Mal- und Grundiergrenzen zum Vorschein: ein Beweis,
dass die Beschneidungen nur geringfügig waren. Seitlich fehlen diese und
lassen eine ursprünglich breitere Holztafel vermuten. Verbliebene Holzreste
an diesen Mal- und Grundiergrenzen deuten auf einen mit der Bildentstehung
verbundenen, früheren Nutrahmen hin.
Originale Holzeinsetzungen in der Tafelfläche sind Ergänzungen kleinerer
schadhafter Stellen.
Maltechnisch ist hier – neben der üblichen Farbenpalette – die Verwendung
sehr bindemittelreicher Ölfarbe in dunklen Bereichen zu beobachten.
Dies bedingte ein ausgeprägtes Primärcraquelé und war wohl Anlass
für spätere, flächige Überarbeitungen. Der rote Farblack an Ärmeln,
Rock und Federhut von Judith ist erheblich ausgeblichen; ansonsten ist
der Zustand gut.
Notwendigkeit der Restaurierung
Die Parkettierung verursachte aufgrund von Bewegungsblockaden der
Holztafel zahlreiche Risse (Abb. B). Ältere davon waren bereits verleimt
worden, und es bestand die Gefahr, dass sich wieder neue bildeten. Eine
Konsolidierung und Stabilisierung des Bildträgers stand deshalb im Vordergrund.
Konservatorisch war die Abnahme der Parkettierung vom Bildträger
unvermeidlich, daher wurden die horizontalen Leisten eingesägt,
Georg Prast