Full text : Scipione Pulzones Bildnis der Bianca Cappello : ein Porträt macht Karriere (12)

18

Dank einem wertvollen Hinweis in dieser Korrespondenz sind wir heute in
der Lage zu bestätigen, dass unser Porträt mit Sicherheit jenes ist, das von Bianca
Cappello in Auftrag gegeben wurde. Mit einem Brief vom 5. November 1585
sandte Francesco Bembo, der gerade in Firenzuola und auf der Heimreise von
Rom nach Venedig war, eine Erinnerungsnotiz Pulzones für Bianca, die die Bitte
enthielt, ihm Ultramarin-Blau zu beschaffen, das aus Lapislazuli gewonnen wurde.
 Dermaßen stark war der Wunsch Bembos, das Gemälde zu bekommen, dass
er sich erlaubte, Bianca die Bitte des Malers zukommen zu

lassen.42

Es war
durchaus üblich, dass der Auftraggeber dem Maler die kostbarsten Materialien
zur Verfügung stellte, und das Ultramarin-Blau war ein sehr teures Pigment. Diese
 Information mit »technischen« Details aus erster

Hand43

bot sich an wissenschaftlich
 verifiziert zu werden. Daher wurde der Beschluss gefasst, jene Bereiche
 des Gemäldes, die nach Ansicht der Restauratoren signifikante Mengen eines
blauen Pigments zu enthalten schienen, einer Röntgenfluoreszenzanalyse zu unterziehen.
 Diese Analyse ergab zweifelsohne Ultramarin-Blau, und auf der Basis
dieses Ergebnisses lässt sich also festhalten, dass das ersehnte Gemälde im Besitz
von Francesco Bembo mit jenem in der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen
Museums identisch ist.

Die Geschichte des Gemäldes in der Sammlung

Wahrscheinlich blieb das Gemälde im Besitz von Francesco Bembo bis zu seinem
dramatischen Tod. In der Folge dürfte es – vielleicht direkt – in die Sammlung von
Bartolomeo della Nave eingegangen sein, da es in der nach dem Tode des Sammlers
(1632) aufgesetzten Inventarliste

aufscheint.45

Della Naves Gemälde wurden vom
Herzog von Hamilton zwischen 1636 und 1638 erworben und gingen nach dessen
Tod im Jahre 1649 mit dem Rest der Sammlung in den Besitz von Erzherzog Leo-Ultramarin



Ultramarin wurde aus Lapislazuli gewonnen, einem Halbedelstein, der
vorwiegend in den Gebieten des heutigen Afghanistan vorkommt. Der Stein
wurde importiert und in Europa zu dem sehr teuren Pigment verarbeitet;
in Materialrechnungen beliefen sich die Kosten für Ultramarin auf ähnlich
hohe Beträge wie für Gold. Mit Ultramarin kann man einen sehr kühlen
brillanten Blauton erzeugen, der unverkennbar ist. Ultramarin wurde meist
mit Weiß ausgemischt oder in dünnen Lasuren, oft über Untermalungen mit
anderen Blaupigmenten aufgetragen. In dicken Schichten und in öligem
Bindemittel erscheint es sehr dunkel, fast schwarz. Seit der Mitte des 19.
Jahrhunderts kann Ultramarin auch künstlich erzeugt werden.

Elke Oberthaler
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.