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Ansichtssachen
Zum Ausklang des Leopold-Wilhelm-Jahres 2014, das in der Ausstellung Sammellust
während der Sommermonate einen Höhepunkt fand, möchte die Gemäldegalerie
diesem bedeutenden Habsburger Mäzen zum 400sten Geburtstag noch eine kleine
Extra-Gratulation präsentieren. Schließlich ist wohl kaum eine andere Sammlung
des Kunsthistorischen Museums in derart starkem Maße von seiner Liebe
zur Kunst geprägt worden, wovon sich jeder Besucher während der Ausstellung
einen Eindruck verschaffen konnte. Da Geburtstage mit Geschenken begangen
werden und gerade die kleinen die besonders feinen sind, haben wir Joachim von
Sandrarts Mystische Vermählung der hl. Katharina von 1647 als Ansichtssache #11
gewählt, ein vom Format her eher bescheidenes, doch durch seine leuchtende
Farbigkeit einnehmendes Gemälde. Was es zudem für diese Zwecke prädestiniert:
es ist Leopold Wilhelm schon einmal vermacht worden, und zwar von seinem
Schöpfer, der heute weniger als Maler denn als Verfasser der Teutschen
Academie bekannt ist, der ersten Künstlervitensammlung in deutscher Sprache.
Wegen seiner Qualität ist es in den letzten Jahren häufig in der Schausammlung
gezeigt worden, doch blieb die Rückseite mit der Widmung Sandrarts, die dieser
als raffiniertes Augentäuscher-Stillleben gestaltet hat, den Blicken bislang verborgen.
Gudrun Swoboda und Gernot Mayer danke ich dafür, dass sie sich dieses
sprichwörtlich vielseitigen Bildes in fachkundiger Weise angenommen haben.
Mit dieser Ansichtssache #11 endet auch meine offizielle Tätigkeit in der
Gemäldegalerie. Ich wünsche der Reihe von ganzem Herzen, dass sie weiterhin
unsere Besucher erfreuen kann, nicht nur weitere elf Male, sondern mindestens
elf weitere Jahre.
Sylvia Ferino
Direktorin der Gemäldegalerie