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Die in augentäuschender Manier bemalte Rückseite der Mystischen Vermählung ist
nicht nur ein reizvolles Spiel mit Betrachtererwartungen, sondern ebenso eine wichtige
Informationsquelle. So verrät uns die Beschriftung des cartellino, dass Joachim
von Sandrart dieses Gemälde für Erzherzog Leopold Wilhelm gemalt hat (»pingebat«)
und es diesem – darauf weist die als Dono Dedit Dedicavit aufzulösende Abkürzung
»D.D.D.« – als Geschenk verehrte. Wie oben erwähnt, lassen die jüngst durchgeführten
technologischen Untersuchungen darauf schließen, dass Sandrart
vermutlich hierbei auf ein bereits vorhandenes Gemälde – eine Heilige Familie mit
Katharina – zurückgegriffen und dieses gezielt für den Erzherzog adaptiert hat.
Geschenke wie diese sind allerdings nicht als Zeichen schierer Selbstlosigkeit
zu deuten, vielmehr sind sie Teil eines komplexen Systems von Gabe und Gegengabe,
das die frühneuzeitliche Kunstpraxis entscheidend prägte. Künstler wurden
oftmals für ihre Werke nicht nach festen Richtsätzen entlohnt, sondern erhielten
– im Tauschhandelsprinzip – Ehrengeschenke (lat. honorarium), deren Wert von
Status und Freigiebigkeit ihrer Mäzenaten abhing. Diese Gegengeschenke konnten
in Form von Geld erfolgen, aber ebenso aus Privilegien, Standeserhöhungen,
Ehrenketten oder Gnadenpfennigen
bestehen.25
So berichtet Joachim von Sandrart
in seiner Teutschen Academie immer wieder von den kostbaren Ehrengaben,
mit denen Künstler für ihr Werk ausgezeichnet
wurden.26
Im konkreten Fall der Mystischen Vermählung könnte Sandrart mit eben
dieser Schenkung jedoch nicht nur eine Gegengabe Leopold Wilhelms erwartet,
sondern auch zukünftige Aufträge des Erzherzogs oder dessen Bruders Kaiser
Ferdinand III. erhofft haben; möglicherweise wollte er sich mit seinem Präsent
gar als Hofmaler in Brüssel oder Wien empfehlen. Kurz zuvor hatte Sandrart
bereits ein vergleichbares Gemälde Maria Anna, Kurfürstin von Bayern, gewidmet,
einer Schwester Ferdinands III. und Leopold Wilhelms. Diese strategischen
Annäherungsversuche über Verwandte des Kaisers – hinzu kommen noch die
1649/50 in Nürnberg geknüpften Kontakte zum kaiserlichen Abgesandten Fürst
Ottavio Piccolomini – waren fruchtbar: 1651 wurde Sandrart tatsächlich an den
Wiener Kaiserhof berufen. Stolz wird in der Teutschen Academie vermeldet, dass
Sandrart in der Kaiserstadt großen Ruhm erlangt habe und »neben mildreicher
remuneration, mit einer schönen güldenen Kette samt der Käyserlichen Medaglie
beschenket auch Ihme der vorgehabte Adel und Wappen mit dem Zusatz einer
Königlichen Kron bestätigt und erneuret«
wurde.27
So auskunftsfreudig die eben zitierte Lebensbeschreibung Sandrarts ist, wenn es
gilt, Wertschätzung und Prestige des Künstlers zu demonstrieren, so verschwiegen ist
sie in anderen Zusammenhängen. Zu den konkreten Umständen, unter denen der
Maler dem Erzherzog seine Mystische Vermählung schenkte, findet sich etwa in der
Sandrarts Geschenke
Kunst und Diplomatie in der Teutschen Academie
Gernot Mayer