Full text : Sandrarts Mystische Vermählung – ein Geschenk mit zwei Seiten (11)

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der Manier »neue« Details wie eine zusätzliche Leimfuge darstellt. In der oberen
Bildmitte ist – ebenfalls in Trompe-l’œil-Malerei – ein Pergamentstück

(cartellino)
dargestellt, das mittels Siegellack an der Tafel befestigt zu sein scheint und folgende
Aufschrift trägt:

»Leopoldo

Wilhelmo Reverendissimo Episcopo Argentoratensi et
serenissimo Archiduci Austriae etc domino suo clementissimo hanc imaginem pingebat
 et submissime D.D.D. Ejusdem Serenitatis In[fim]us et devotissimus servus

Abb. 8: Johann Jacob von Sandrart nach Joachim von Sandrart,
Zeuxis und Parrhasios, 1683, Radierung (nach: J.v. Sandrart,
Academia nobilissimae artis pictoriae, Nürnberg 1683, Tafel C)

Trompe-l’œil – der kunstreiche Betrug der Malerei und seine
Enttarnung

Trompe-l’œil: frz. für Augentäuschung. Schon Plinius d.Ä. erzählte in seiner
 Naturgeschichte vom Wettstreit der Maler Zeuxis und Parrhasios, was
Sandrart in der Teutschen Academie wiederholt:

»Zeuxis brachte nun eine Tafel herfür daran so natürliche Trauben
gemahlt waren daß auf dem Schau-Platz die Vögel darnach flogen und
pickten. Dargegen brachte Parrhasius, auf seiner Tafel eine so natürlich
gemahlte Decke daß Zeuxis, der über dem Picken der Vögel an seinen
Trauben sehr muhtig war, ganz laut und als spottend sagte: Es wäre einmal
 Zeit daß man das Tuch von Parrhasii Gemähl abnehme damit man
auch seine Kunst sehen möchte. Als er aber im Hinzunahen befande daß
es nur ein gemahltes Tuch wäre da er das Gemähl damit zugedeckt vermeinet
 ward er darüber schamroth gebrauchte sich aber doch seiner Höflichkeit
 gabe Parrhasio den Preiß und sagte: Er habe wol mit seiner Kunst
die Vögel geäffet aber Parrhasius habe mehr gethan indem er ihn selber
und zwar als einen Mahler betrogen.« 14
            
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