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Ansichtssachen
Wer bislang glaubte, dass holländische Barockmaler nur das kleine Format
beherrschten, wird durch die
Ansichtssache #4,
Dirck van Delens
Großen Gartenpalast
von 1640, eines Besseren belehrt: Mit knapp drei Metern Breite übertrifft
das Werk so manches Historienbild von Rubens. Zum einen sind daher
Platzgründe anzuführen, weshalb es trotz seiner malerischen Schönheit und des
sehr guten Erhaltungszustandes schon lange der Öffentlichkeit verborgen geblieben
ist. Zwischen unseren holländischen Landschaften, Porträts, Stillleben und
Genreszenen würde es aber auch wegen seiner machtvollen Architekturkulisse
auffallen, die eher italienische Grandezza als calvinistische Nüchternheit demonstriert.
Wer der wenig bekannte Maler war, welche Bedeutung ein scheinbar
nebensächliches Detail wie der kleine Bettler im Bildmittelgrund besitzt und in
welche Tradition sich das Bild damit letztlich einschreibt, zeichnet der Essay von
Sabine Pénot, der verantwortlichen Kuratorin, klug nach. Unterstützt wurde sie
von Ina Slama, die der Entstehungsgeschichte des Bildes aus restauratorischer
Sicht sprichwörtlich auf den Grund ging.
Mit dem
Großen Gartenpalast
Dirck van Delens starten die
Ansichtssachen,
die sich wenig bekannten oder ungewöhnlichen Bildern der Gemäldegalerie widmen,
ins neue Jahr. Anschließend richten wir mit der
Ansichtssache #5
den Blick
dann wieder in Richtung Süden, und zwar mit dem
Bildnis des venezianischen
Patriziers Ottaviano Grimani
von Bernardino Licinio, das uns in die Welt der
venezianischen Aristokratie des 16. Jahrhunderts führt.
Sylvia Ferino
Direktorin der Gemäldegalerie