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1632 (St. Petersburg, Eremitage) zeigt diesen Einfluss beispielhaft. Das Werk
wurde sogar bis vor kurzem van Delen selbst zugeschrieben. Dabei handelt es
sich um eine Zweitversion des Gemäldes zum gleichen Thema in der National
Gallery London (1609/10), das van Delen
überarbeitete.31
Die Staffage zeigt hier
große Ähnlichkeiten mit den Figuren des Wiener
Gartenpalastes.
Charakteristisch
sind ab diesem Zeitpunkt des Weiteren ein Aufhellen der Farbpalette und
die Verwendung intensiverer, leuchtender Kolorite. Insgesamt werden van Delens
Kompositionen üppiger. In seinen Architekturkompositionen setzt er bunte
Marmorelemente ein, in denen Nuancen von rosa, weiß und schwarz harmonieren.
Der starke Einfluss des Antwerpener Barocks zeigt sich vor allem in
aufwendigen, zum Teil überbordenden Skulpturenprogrammen, so auch im
Großen
Gartenpalast.
In manchen Fällen lassen sich auch für die wiedergegebenen
Skulpturen Vorbilder in der Druckgraphik nachweisen (u.a. bei Abraham Bosse,
Marcantonio Raimondi, Gian Jacopo Caraglio und Annibale
Carracci).32
Der
Große Gartenpalast
steht beispielhaft für den sogenannten höfischen
Stil: ein Begriff, der von Liedtke geprägt wurde, um die durch Hendrick van
Steenwyck II., van Bassen sowie van Delen repräsentierte und der Antwerpener
Tradition verpflichtete Stilrichtung der holländischen Malerei, die sich der Darstellung
imaginärer Paläste (und zuweilen Kirchen) widmete, zu
beschreiben.33
Die bedeutendsten barocken Inventionen van Delens datieren ca. zwischen 1635
und den 1640er Jahren. Dazu gehören sowohl die Salomon-Gemälde von Lille
(1638) und Stanford (1642) als auch der Wiener
Große Gartenpalast,
der zeitlich
dazwischen entstand (1640). Charakteristisch für diese Werke ist der starke
Einfluss durch den flämischen Barock, der sich insbesondere in der Gestaltung
der mit Skulpturen verzierten Portale widerspiegelt. Nach dem Entstehen des
Großen Gartenpalasts,
der mit dem Höhepunkt der Karriere des Malers zusammenfällt,
nimmt van Delens Produktion rapide ab. Sein Stil wird nüchterner, und
er kehrt zurück zu klassischeren Architekturformen, die sich stärker an Renaissancevorbildern
orientieren. Das von Vermet um 1655 datierte Gemälde
Hoher
Säulenbau (Abb. 4)
stellt sicher eines der interessantesten Werke der Spätphase
des Künstlers dar. Es ist das einzige bekannte Gemälde van Delens ohne Staffage;
eine Besonderheit, die zu Spekulationen darüber geführt hat, ob das signierte
Bild möglicherweise unvollendet blieb. Gerade durch seine puristische Kargheit,
die an Perspektivstudien und Ansichten von Idealstädten erinnert, bekommt das
Gemälde einen erstaunlich modernen Charakter.
Schluss
Da diese Art von Malerei in der kunsthistorischen Forschung lange als rückständig
im Verhältnis zur Malkunst von Zeitgenossen wie Saenredam
galt,34
werden
die Intentionen sowie der Adressatenkreis der Maler von Phantasiearchitekturen
wie van Delen und van Bassen in den letzten Jahren neu beleuchtet.
Die Bezüge auf klassische und moderne Architektur – von der italienischen Renaissance
bis zum holländischen und flämischen Barock – sowie die komplexen