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Eremitage) oder Jacob Mathams Stich nach Sebastian Vrancx
Das Gleichnis des
reichen Mannes und des armen Lazarus
von 1606
(Abb. 13).
Die Lazarus-Figur
wird auf ein verschwindend kleines Detail im Hintergrund der Komposition reduziert,
ohne jedoch ihre sinngebende Funktion zu verlieren.
Auf welche Weise sich das allegorische Skulpturenprogramm mit weltlichen
und christlichen Tugenden im
Großen Gartenpalast
auf die dargestellte Szene
bezieht, wie es die Bildkomposition suggeriert, lässt sich nicht eindeutig klären.
Wie in anderen Bildern van Delens stammen die allegorischen Figuren teilweise
aus der eigenen Erfindung des Malers und lassen sich somit schlecht identifizieren.
Ähnlich wie die Lazarus-Thematik Malern wie Vredeman de
Vries26
eine Legitimierung für die Darstellung verschwenderischen Reichtums und eine
Gelegenheit gibt, pittoreske Bettlerfiguren in ihre Komposition einzubinden, verhält
es sich in van Delens Komposition. Die gesellschaftskritische Komponente
erscheint hier allerdings zugunsten der Selbstdarstellung der gehobenen Gesellschaft
zurückgenommen. Ob ein Sinnspruch oder eine literarische Vorlage der
Komposition zu Grunde liegt, der die erzählerischen Elemente des Gemäldes
verbinden würde, bleibt offen. Vor dem Hintergrund der populären Lazarus-Thematik
sowie der steigenden Anzahl an Bettlern in den wirtschaftlich schnell
anwachsenden niederländischen Städten wird das Bettlermotiv sicher Stoff für
anregende Diskussionen – ein bei Kunstliebhabern besonders beliebter Zeitvertreib
– geboten und den geschätzten architektonischen Qualitäten des Bildes
einen zusätzlichen Reiz verliehen haben.
Stilistische Einflüsse
Van Delens Gemälde lassen die aus Antwerpen stammende Tradition der
phantastischen Architekturmalerei wieder aufleben. Obschon vor allem das
Frühwerk des Architekturmalers stark von Hans Vredeman de Vries beeinflusst
wird, bleiben auch seine späteren Kompositionen weiterhin dem Vorbild dieses
Antwerpener Architekten, Ingenieurs und Zeichners verpflichtet. Für die Anlage
der Komposition des
Großen Gartenpalastes
verarbeitet van Delen die Tafel
Nr. 9 aus Hans Vredeman de
Vries’ Perspective,
2. Teil, 1605
(Abb.
14).27
Er
behält die Vriessche Palastarchitektur mit Vorbauten rechts bei, wobei er dessen
Säulenkonstruktion komplexer gestaltet und mit Salomonischen Säulen versieht.
Das mittlere Fassadenmotiv mit dem Fluchtpunkt am Ende der Arkadenperspektive
ist von derselben Vorlage inspiriert. Das gleiche gilt für die Ansiedlung der
Phantasiearchitektur in einer Parkanlage, wobei diese bei van Delen links von
einer palastartigen Architektur begrenzt wird. Was die Staffage betrifft, orientiert
sich van Delen hier wie in zahlreichen weiteren seiner Kompositionen an Figuren
aus Stichen von Abraham Bosse. Das Paar im Mittelgrund des Bildes ist der
Allegorie des Geruchssinns (Abb. 15)
aus der Serie der
Fünf Sinne
(um 1638)
entnommen.28
Diese Stichserie gehört zu den erfolgreichsten des französischen
Kupferstechers, Zeichners und Kunsttheoretikers. Sie wurde bereits Mitte des 17.
Jahrhunderts in zahlreichen Stichen und Gemälden wiederholt und adaptiert.