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Aus der Sicht des Restaurators
Bearbeitungsmerkmale des Bildträgers
Der Bildträger setzt sich aus zwei unterschiedlich breiten, tangential geschnittenen
Eichenholzbrettern zusammen. Das ursprüngliche Bildformat (44,3 cm x
50,4 cm) ist größtenteils erhalten. Die jetzige Tafelstärke von ca. 9 mm könnte
ursprünglich massiver gewesen sein. Neben diversen historischen Aufklebern
findet sich rückseitig eine Beschriftung mit schwarzer Tinte, von der die Jahreszahl
„1594“ lesbar ist.
Maltechnik und Besonderheiten
Eine erste partielle, gelbliche Schicht ist vorwiegend
in Randbereichen der Tafel auszumachen.
Offenbar wurde damit ein Ausgleichen von Unebenheiten
an der Holzoberfläche beabsichtigt.
Die hellgraue, dünne Grundierung zeigt einen
deutlichen Pinselduktus. Sie beinhaltet Kreide,
Bleiweiß und etwas Kohlenstoffschwarz. Eine Unterzeichnung,
sichtbar in der Infrarotreflektographie,
zeigt eine leichte Skizzierung mit einem
vermutlich trockenen Medium. Es lassen sich dort
geringfügige Änderungen, beispielsweise an den
Buchecken, erkennen. Die Malweise ist sehr
dünn; bisweilen wird die Holzstruktur an der Oberfläche recht deutlich sichtbar.
Pastose Farbaufträge mit Bleizinngelb finden sich an Höhungen, insbesondere
an den Initialen und Schließen. Die körperhaft rot ausgeführten Lettern lassen
die Verwendung von Zinnober vermuten. An den Textblöcken sind vereinzelt
Ritzlinien erkennbar und scheinen als Orientierungshilfe freihändig in die frische
Malfarbe gezogen zu sein. Auffällig sind zudem kleinere Strukturen im Bereich
des Schriftbildes. Der Maler hat hier vermutlich, durch leichtes „Antippen“ mit
den Fingerkuppen, eine Abschwächung der Farbigkeit beabsichtigt. Die Bemalung
der Tafel dürfte ohne einen Rahmen erfolgt sein. Spuren sowohl der gelblichen
Schicht als auch der grauen Grundierung an den seitlichen Rändern des
Bildträgers lassen darauf schließen (Abb.). Eine Rahmung oder ein ähnlicher
Einbau könnte indessen bald danach erfolgt sein; Druckstellen auf Grundierung
und Malschicht weisen darauf hin. An der Malschichtoberfläche fallen zudem
Löcher auf, die sich an den Randbereichen des gemalten Buches konzentrieren.
Verbindet man diese vier etwa 1 cm länglichen Vertiefungen, ergibt sich ein
leicht schräg verlaufendes, horizontales Rechteck von 30 x 40 cm.
Erhaltungszustand und restauratorische und konservatorische Maßnahmen
Entlang der Tafelränder sind im Zuge einer früheren Restaurierungsmaßnahme
ringsherum Rahmenleisten angeleimt worden. Rückseitig wurde ein Falz ausgenommen,
und bildseitig sind Malschichtverluste an allen vier Bildrändern zu
verzeichnen. Diese spätere Stabilisierung schränkte die Bewegung des Holzbild-Seitenrand
der Tafel mit Grundierresten
(Makroaufnahme)
Georg Prast