Full text: Band 12 (= 104)

Mario Döberl 
Der Fuhrpark Kaiser Leopolds I. 
Teiledition der Wiener Hofmarstallinventare von 1678“ 
Der vorliegende Beitrag entstand im Rahmen des 
Forschungsprojektes Die Einführung von Fahrzeugen 
in das kaiserliche Hofzeremoniell, das vom österrei 
chischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen 
Forschung (FWF) finanziert wird (P20316). Für wert 
volle Hinweise auf Quellen, für Anregungen und inter 
essante Fachdiskussionen danke ich Dr. Markus Jeider, 
Dr. Monica Kurzel-Runtscheiner, Dr. Alejandro Lopez 
Älvarez (Madrid), Dr. Astrid Tyden-Jordan (Stockholm) 
und Dr. Rudolf Wackernagel (München). Für die kriti 
sche Durchsicht des Manuskripts möchte ich mich bei 
Dr. Elisabeth Hassmann bedanken. 
1 AVA, FA Harrach, Hs. 223 und 314. 
2 Zu den erhaltenen Wagenburg-Inventaren und zur 
Aktenüberlieferung siehe Mario Döberl, Höfisch oder 
privat? Die Beschaffung und Wartung von Wägen am 
Wiener Kaiserhof in der ersten Hälfte des 19.fahrhun- 
derts, in: Mitteilungen des Österreichischen Staatsar 
chivs 52, 2007, 113-173, hier: 116, 167. 
3 Zu Ferdinand Bonaventura Graf Harrach siehe u. a. 
Afrnold] Gaedeke, Das Tagebuch des Grafen Ferdinand 
Bonaventura von Harrach während seines Aufenthaltes 
am spanischen Hofe in den fahren 1697 und 1698. 
Nebst zwei geheimen Instructionen, in: Archiv für ös 
terreichische Geschichte 48, 1872, 163—302, bes. 
167—169; Ferdinand Mencik, Ferdinand Bonaven 
tura Graf Harrach: Tagebuch über den Aufenthalt in 
Spanien in den fahren 1673—1674, Wien 1913, bes. 
II—IV; Neue Deutsche Biographie, Bd. 7, Berlin 1966, 
698 f.; Stefan Sienell, Die Geheime Konferenz unter 
Kaiser Leopold I. Personelle Strukturen und Methoden 
zur politischen Entscheidungsfindung am Wiener Hof 
(Beiträge zur Neueren Geschichte Österreichs 17), 
Frankfurt a. M. 2001, 191f. 
4 Thomas Fellner - Heinrich Kretschmayr, Die öster 
reichische Zentralverwaltung, Bd. 1/1 (Veröffentli 
chungen der Kommission für neuere Geschichte Ös 
terreichs 5), Wien 1907, 279; HHStA, ZA Prot. 3, 
fol. 127v-128r. 
5 Von den dreifach ausgefertigten Originalen bekamen 
das Hofkontrolloramt und das Hoffuttermeisteramt 
je ein Stück ausgehändigt; das dritte Exemplar aber 
wurde an den Aufbewahrungsorten selbst beziehungs 
weise bei den direkt für die Objektgruppen zustän 
digen Hofdienern deponiert, also beispielsweise das 
Inventar der Untersattelkammer dortselbst oder das 
Sänfteninventar beim Sänftenmeister. 
Abb. 1: „Der Kayserliche Burg Platz in Wienn “. 
Kupferstich aus: Georg Matthäus Vischer, Topogra- 
phia Archiducatus Austriae inferioris modernae, 
1672. Ausfahrt aus der Hofburg: im Vordergrund 
Kaiser Leopold I. in einer von Leibgarden flankierten 
sechsspännigen Karosse mit zwei berittenen Kutschern, 
gefolgt von Kaiserin Margarita Teresa im Tragsessel 
und drei weiteren sechsspännigen Wägen. 
Einleitung 
Im Familienarchiv Harrach, das als Depositum im Österreichischen Staats 
archiv aufbewahrt wird, befinden sich zwei Handschriftenbände mit Ab 
schriften mehrerer Inventare aus dem Amtsbereich des kaiserlichen Oberst 
stallmeisters 1 . Diese bisher von der Forschung nicht beachteten Archivali 
en bieten unter anderem einen kompletten Überblick über den Bestand 
des kaiserlichen Fuhrparks zu Beginn des Jahres 1678. Da die ältesten bis 
lang bekannten Inventare des kaiserlichen Marstalls allesamt aus dem 
19. Jahrhundert stammen und auch die Akten des Oberststallmeisteramts 
für die Zeit vor 1813 äußerst lückenhaft überliefert sind 2 , waren über die 
älteren Fahrzeuge des Wiener Hofes bisher nur vereinzelt Informationen 
bekannt. Die in diesem Beitrag edierten Quellen geben deshalb - in Kom 
bination mit einigen ergänzenden Archivalien - erstmals ein umfassendes 
Bild von den Transportmitteln, die zur Zeit Kaiser Leopolds I. im Wiener 
Hofmarstall zur Verfügung standen. Bedauerlicherweise blieb kein einzi 
ges davon erhalten. 
Die Entstehung der beiden Inventarbände ist mit großer Wahrscheinlich 
keit in einem Zusammenhang mit dem Amtsantritt des kaiserlichen 
Oberststallmeisters Ferdinand Bonaventura Graf Harrach (1636-1706) 
zu sehen 3 . Er übernahm die Leitung des Hofmarstalls am 23. November 
1677 4 , also unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Wien von einem fast 
vierjährigen Aufenthalt als kaiserlicher Botschafter in Spanien. Die meis 
ten Bestandsverzeichnisse der beiden Inventarbände sind mit 1. Jänner 
1678 datiert und wurden somit schon wenige Wochen nach seiner Amts 
einführung angefertigt. Harrach ließ die Abschriften von sämtlichen aktu 
ellen (und einigen älteren) Inventaren seines neuen Aufgabenbereichs 
wohl für seinen persönlichen Gebrauch erstellen. Mit Hilfe dieser Unter 
lagen konnte der Oberststallmeister, für den das Hofreglement keine In 
ventare in Originalausfertigung vorsah, selbst einen genauen Einblick in 
die vorhandenen Gegenstände des Hofmarstalls erhalten 5 . 
Der Umfang des kaiserlichen Fuhrparks im internationalen Vergleich 
Aus unseren Inventaren geht hervor, dass der Hofmarstall Kaiser Leopolds 
im Jahr 1678 folgende Vehikel umfasste: 67 Wägen (darunter zwei schon 
damals nur fragmentarisch erhaltene Fahrzeuge ohne Fahrgestell, 183 6 
und 184), 24 Schlitten (davon 16 vollständige Schlitten sowie 8 Fahrge 
stelle mit Kufen, in die im Winter Wagenkästen eingehängt werden konn 
ten), 13 Sänften, 7 Tragsessel 7 und 7 Paar 8 Tragestangen für den Lasten 
transport mit Hilfe von Eseln oder Maultieren. Dies ergibt in Summe 118 
Vehikel 9 . Zur Zahl der Wägen lässt sich die Gesamtzahl der in der kaiser 
lichen Residenzstadt vorhandenen Equipagen ins Verhältnis setzen: Laut
	        
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