Full text : Band 12 (= 104)

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  ausdrücklich  erwähnt.  Gropius  war  ein  persönlicher  Freund  von
Prokesch;  mit  ihm  diskutierte  er  nicht  nur  politische,  sondern  ebenso  leidenschaftlich ­
  auch  archäologische  Fragen.  Gropius,  der  außerdem  rege  am
Handel  mit  antiken  Objekten  beteiligt  war 48 ,  führte  —  mehrfach  gemeinsam ­
  mit  dem  französischen  Vizekonsul  Louis  S.  Fauvel  (1753-1838)  -
auch  selbst  Ausgrabungen  durch,  etliche  davon  in  antiken  Friedhöfen 49 .
Das  von  Prokesch  beschriebene  Gebiet  zwischen  Kara  und  Kap  Zoster
liegt  im  antiken  Demos  Halai  Aixonides,  heute  Glyphada/Voula/Vouliagmeni,
  südlich  des  ehemaligen  Flughafens  von  Athen 50 .  Aufgrund  seiner
relativ  geringen  Entfernung  zu  Athen  und  seiner  Lage  auf  dem  Weg  zu
bereits  im  19.  Jahrhundert  viel  besuchten  antiken  Stätten  wie  Vari  und
Sunion 51  reisten  zahlreiche  Personen  durch  dieses  Gebiet,  das  -  wie  Ludwig ­
  Ross  berichtet  -  wegen  seiner  Steinigkeit  Phelleis  genannt  wurde.  Ross
selbst  nennt  den  Landstrich  „Aexonisches  Todtenfeld“ 52 .
Luigi  Beschi  gelang  es,  die  im  Jahre  1819  von  Fauvel,  Gropius  und  dem
niederländischen  General  Bernard  E.  A.  Rottiers 53  in  diesem  Landstrich
durchgeführten  Grabungen  zu  kartieren;  er  bezeichnete  ein  Areal  in  Phelleis ­
  mit  „B“,  das  er  als  Grabungsfläche  von  Gropius  („Area  dello  scavo
Gropius“)  identifiziert  hatte  (Abb.  _5) 54 .  Wir  dürfen  daher  aus  der  Tagebucheintragung ­
  von  Prokesch  folgern,  dass  die  vier  in  Wien  verwahrten
weißgrundigen  Lekythen  im  Jahre  1819  in  dem  Areal  dieser  ausgedehnten
Nekropole  gefunden  wurden.  Wo  die  zwei  weiteren  Lekythen,  die  Prokesch ­
  von  Osten  selbst  in  seinem  Tagebuch  („darunter  meine  6  weißen  mit
farbigen  Figuren“)  zusammen  mit  den  vier  Wiener  Stücken  erwähnt,  ver-Abb.

  5:  Lageskizze  des  Areals  um  Glyphada,  Attika,
mit  den  im  Jahre  1819  durchgefuhrten  Ausgrabungen. ­
  Zeichnung  von  Luigi  Beschi  in:  Archaiologikon
Deltion  30,  1975,  311.

48  Callmer  1982  (zit.  Anm.  11).
49  Otto  Magnus  von  Stackeiberg,  Die  Gräber  der  Hellenen ­
  in  Bildwerken  und  Vasengemälden,  Berlin  1837.
Viele  der  im  zweiten  Jahrzehnt  des  19.  Jahrhunderts
gemachten  Fundstücke,  überwiegend  Vasen,  Terrakotten ­
  und  Grabreliefs,  gingen  in  den  Besitz  von
Consul  Louis  Fauvel  und  des  Malers  Giovanni  Battistia
  Lusieri  über;  Natalie  von  Stackeiberg,  Otto  Magnus
von  Stackeiberg.  Schilderungen  seines  Lebens  und  seiner
Reisen  in  Italien  und  Griechenland,  Heidelberg  1882,
231.
50  Seit  dem  19.  Jahrhundert  werden  in  diesem  Landstrich ­
  antike  Monumente  aus  der  Zeit  des  2.  Jahrtausends ­
  v.  Chr.  bis  zu  byzantinischer  Zeit  aufgedeckt.
John  Travlos,  Bildlexikon  zur  Topographie  des  antiken
Attika,  Tübingen  1988,  266-268.  Hans  Rupprecht
Götte,  Ludwig  Ross  in  Attika  und  aufAigina,  in:  Hans
Rupprecht  Götte  (Hg.),  Ludwig  Ross  und  Griechenland ­
  (Internationale  Archäologie  -  Studia  honoraria
24),  Leidorf  2003,  219-231.
51  Zum  Wegesystem  in  Attika  und  zu  den  verschiedenen
Routen  nach  Sunion  s.  Hans  Rupprecht  Götte  (Hg.),
Ancient  Roads  in  Greece.  Proceedings  ofa  Symposion,
Hamburg  2002.
52  Ludwig  Ross,  Inschriften.  Ueber  Attische  Gräber  und
Grabinschriften,  in:  Intelligenzblatt  der  Allgemeinen
Literatur-Zeitung  1837,  697-704.  Ludwig  Ross,
Reisen  des  Königs  Otto  und  der  Königin  Amalia  in
Griechenland,  Halle  1848,  67—70:  Von  Athen  kommend ­
  erreicht  man  in  etwa  eineinhalb  Stunden  den
Ort  Trachones.  Vielleicht  ist  das  jener  Ortsname,  den
Prokesch  ungenau,  eventuell  lautmalerisch  nachempfunden ­
  als  „Dragonetz“  (Dragonitz)  wiedergibt.
53  Ruud  B.  Halbertsma,  Scholars,  Travellers  and  Trade.
The  pioneeryears  ofthe  National  Museum  ofAntiquities
in  Leiden,  1818—1840,  London  2003,  49—5  L  Halbertsma ­
  nennt  sie  „treasure-diggers“.
54  Luigi  Beschi,  Uno  scavo  del  1819  nel  demo  di  Aixone
  (Glyphada),  in:  Archaiologikon  Deltion  30,  1975,
310-321.
            
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