HANS
HOLBEIN
D.
J.:
JANE
SEYMOUR
29
ursprünglich rot
waren58und
die Farbveränderung auch
hier mit den Veränderungen im bzw. durch das
Blattsilber oder einer Schwärzung des Zinnobers in
Zusammenhang stehen (Abb. 32).
Nach Abschluss der Reinigung wurde ein Firnis (Mastix-
harz, gelöst in Terpentin) gestrichen. Mehrere ältere
Ausbrüche entlang der Ober- und Unterkante wurden
gekittet und mit Gouachefarben eingetönt.
Für die nachfolgende Retusche ergaben sich mehrere
Aufgaben. Einen Schwerpunkt bildete der Schlagschatten
im linken Hintergrund. Dieser Bereich wirkte durch
die zahlreichen Bereibungen der Malschicht fleckig und
insgesamt auch zu dunkel, da aufgrund des teilweisen
Fehlens der obersten blauen Farbschicht die dunkle
Untermalung exponiert war. Diese Veränderungen in
der Farbwirkung beeinträchtigen die Wiedergabe der
räumlichen Verhältnisse im Bildhintergrund: Der früher
wohl deutlicher sichtbare Farb- und Helligkeitsunter-
schied zwischen Schlagschatten und schwarzer Haube
ist heute reduziert, während der Kontrast von zu dunk-
lem Schlagschatten und aufgehelltem blauem Hinter-
grund verstärkt ist. Bei der Retusche wurde so vorge-
gangen, dass zuerst eine farbliche Angleichung der tiefs-
ten, hell erscheinenden Bereibungen an noch intakte
Bereiche erfolgte. Durch diesen Schritt konnte eine erste
Reduzierung der störenden Fleckigkeit erreicht wer-
den. Anschließend mussten zu dunkel erscheinende
Partien aufgehellt werden. Durch den Auftrag sehr
feiner Striche oder Punkte in einem blauen Farbton,
der etwas heller war als der der Umgebung, erfolgte
eine schrittweise Annäherung an das angestrebte Er-
gebnis. Durch diese graduelle Vorgangsweise kann
ständig neu entschieden werden, wie weit eine Re-
tusche geführt werden muss. Ziel war es nicht, die
Beschädigungen zu kaschieren, vielmehr sollte der
Schlagschatten durch die Retusche räumlich etwas mehr
nach hinten rücken. Im übrigen Bereich des Hinter-
grundes wurden vereinzelte Fehlstellen sowie tiefere
Bereibungen retuschiert. Im roten Kleid galt es, zahl-
reiche kleine alte, aufgrund ihrer mangelnden Löslichkeit
belassene Retuschen und die Bereibungen entlang der
Leimfuge mittels Retusche zu integrieren. Die vor allem
im unteren Bereich durch Bereibungen verstärkt sicht-
baren Craquelés wurden etwas zurückgedrängt. Irre-
versible Veränderungen wie Vergrauungen oder Ver-
luste von Lasuren im Bereich des Anhängers wurden
belassen. Im Silberbrokat fanden sich mehrere ästhe-
tisch sehr unbefriedigende alte Retuschen. Sie wurden
überarbeitet und dabei sowohl farblich als auch formal
korrigiert. Das Inkarnat erforderte wenige Retuschen
entlang der Leimfuge und an Stellen, wo verfärbte
Titanweißretuschen abgenommen worden waren.
Punktuell und sparsam wurden beriebene Lasuren
oder leichte Unregelmäßigkeiten angeglichen. Nach
entsprechenden Trocknungszeiten erfolgte sowohl
während als auch nach Abschluss der Retusche ein
Firnisauftrag (Abb. 33).
Als Präventivmaßnahme zum Schutz vor Schwankungen
des Raumklimas, insbesondere während einer Aus-
leihe, wird das Gemälde nun in einer in den Zier-
rahmenfalz integrierten Klimavitrine
präsentiert59.
5. WEITERE LITERATUR
M. W. Ainsworth, Northern Renaissance Drawings
and Underdrawings: A Proposed Method of Study,
in: Master Drawings 27, 1989, 5–38
M. W. Ainsworth, Methods of Copying in the
Portraiture of Hans Holbein the Younger,
in: Le Dessin sous-jacent dans la peinture, Colloque
VIII,hg. von R. van Schoute und H. Verougstraete-
Marq, Louvain-La-Neuve 1991, 11–13
Ausstellungskatalog J. Roberts (Hg.), Holbein and the
Court of Henry VIII: Drawings and Miniatures from
The Royal Library Windsor Castle,Edinburgh
(National Gallery of Scotland) 1993
O. Bätschmann – P. Griener, Hans Holbein,Köln 1997
F. Bentz, Holbein’s Technique,in: The Burlington
Magazine 51, 1927, 67–68
S. Buck, Hans Holbein 1497/98–1543,Köln 1999
D. M. Klinger – A. Höttler, Die Malerbrüder
Ambrosius und Hans d. J. Holbein. Werkverzeichnis
Gemälde und Miniaturen,Nürnberg 1998, Nr. 65
M. Senn (Hg.), Hans Holbein der Jüngere: Akten des
Internationalen Symposiums,Kunstmuseum Basel
26.–28.6.1997, Basel 1999
M. Wyld, The Restoration History of Holbein’s
Ambassadors,in: National Gallery Technical Bulletin
19, 1998, 4–25
58Die in tieferen Schichten unveränderte, rote Farbschicht schimmert durch die vergraute Malschicht und ist
an beriebenen Stellen auch sichtbar.
59Diese Arbeiten wurden von Rudolf Hlava und Markus Geyer, beide in der Restaurierwerkstätte der
Gemäldegalerie, durchgeführt.