HANS
HOLBEIN
D.
J.:
JANE
SEYMOUR
27
Abb. 25: Mikroskopaufnahme
einer Perle des Anhängers (bei
10-facher Vergrößerung): Aus-
brüche in der obersten Mal-
schicht durch Schichtentren-
nung, Beschädigung (Vergrau-
ung) des Schlagschattens links.
Größere Fehlstellen der Malschicht liegen nicht vor; es
gibt jedoch zahlreiche winzige Ausbrüche älteren
Datums, die durch Schichtentrennung entstanden sind,
wie z.B. Abplatzungen der obersten Malschicht bei
den Perlen des
Anhängers55(Abb.
25, 26 und 27). Die
Malschicht scheint gegenwärtig in stabilem Zustand zu
sein und erforderte keine konservatorischen Maßnahmen.
Beschädigungen dünner Malschichten und Lasuren
durch Bereibungen sind an mehreren Stellen zu beob-
achten, ebenso sind die Goldauflagen in Kleidung und
Schmuckstücken auf erhabenen Stellen oft berieben
(Abb. 14). Das Rot des Samtes weist – neben unzähli-
gen kleinen Ausbrüchen – Veränderungen in den obersten
Malschichten auf. Die roten Farblacklasuren haben
durch Ausbleichung und/oder Vergrauung wohl viel
von ihrem ursprünglichen Aussehen eingebüßt. Beson-
ders der Bereich unterhalb des Armes wirkt heute
flach; Modellierung und Farbwirkung sind empfindlich
gestört. Wie prachtvoll das Rot einst gewesen sein muss,
lässt der scharf abgegrenzte, etwa 1,5 cm breite Streifen
entlang des unteren Randes erahnen, der sehr schön er-
halten geblieben
ist56.
Das Rot hat hier noch jenen kräf-
tigen Farbton, wie wir ihn von anderen Bildern Holbeins
kennen57(Abb.
28). Verloren gegangen sind teilweise auch
die dunklen Schatten im Bereich des Anhängers und
der gestickten Bordüre entlang des Dekolletés (Abb. 25).
Einen weniger guten Erhaltungszustand finden wir auch
beim Silberbrokat. Das dünne Blattsilber ist durch
Alterung bzw. Oxidation gedunkelt. Die schwarzen
Liniendes Musters zeigen an der Oberfläche Vergrau-
ungen, die vermutlich ebenfalls durch Veränderungen
des Silbers mitverursacht wurden (Abb. 30). Der ur-
sprüngliche, metallisch-helle Silberton des Brokates
und die noch scharfe Zeichnung der schwarzen Linien
ist in dem schmalen Streifen an der Unterkante sichtbar
(Abb. 31). Ebenso fällt eine weitere Farbveränderung
im unteren Bereich der Kette auf: Die zwei gefassten
Edelsteine zeigen im unteren Drittel eine intensiv rote
Färbung, während die oberhalb des geschützten Berei-
ches liegenden an der Malschichtoberfläche dunkelgrau
verfärbt sind. Es ist anzunehmen, dass alle Edelsteine
55Diese Fehlstellen durch Schichtentrennung reichen unterschiedlich tief – teils bis zur Grundierung, teils
bis zur Imprimitur oder bis zur darunter liegenden Malschicht bzw. Untermalung.
56Dieser Bereich war wohl lange Zeit hindurch vom Rahmenfalz abgedeckt und damit vor schädigenden
Einflüssen geschützt.
57Vgl. die Darstellung von dunkelrotem Samt in den – allerdings früher datierten und maltechnisch anders
aufgebauten – Bildern Sir Thomas More(New York, Frick Collection) sowie Venus und Amor undLaïs
von Korinth(beide Kunstmuseum Basel). Siehe auch Foister – Roy – Wyld 1997 (zit. Anm. 9), 75 ff.
Abb. 26: Die Mikroskopauf-
nahme der Bordüren aus Gold-
stickerei (bei 16-facher Vergrö-
ßerung) zeigt kleine, durch
Schichtentrennung verursachte
Ausbrüche in den Pastositäten.
Die in den Fehlstellen sichtbar
gewordene, (ursprünglich be-
deckte) rote Farbschicht ist bes-
ser erhalten geblieben und zeigt
eine intensivere Färbung.
Abb. 27: Mikroskopaufnahme
der goldbestickten Ärmel (bei
16-facher Vergrößerung) mit
zahlreichen winzigen Ausbrü-
chen in der roten Malschicht
durch Schichtentrennung zwi-
schen der grauen Untermalung
und den roten Farbschichten.