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Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 21 (N.F) (XXI=57)

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Bibliographic data

fullscreen: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 21 (N.F) (XXI=57)

Series

Persistent identifier:
990001151390203331
Title:
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien
Place Of Publication:
Wien
Kunsthistorisches Museum Wien
Publisher:
Kunsthistorisches Museum Wien
Document type:
Series
Collection:
House Publications
KHM-Yearbook
Copyright:
Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)
KHM-Museumsverband
Language:
German
ISSN:
0075-2312
0258-5596

Periodical volume

Persistent identifier:
0061485
Title:
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 21 (N.F)
Shelfmark:
10.230
Volume count:
XXI=57
Publisher:
Schroll & Co.
Document type:
Periodical volume
Collection:
House Publications
KHM-Yearbook
Publication year:
1961
Copyright:
Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)
KHM-Museumsverband
DOI:
10.60477/khm1-0061485
Language:
Deutsch

Chapter

Title:
SPANISCHE P0RTRA1TS DES 16. JAHRHUNDERTS
Author:
Klauner, Friderike

Contents

Table of contents

  • Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien
  • Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 21 (N.F) (XXI=57)
  • Cover
  • Endsheet
  • Title page
  • Imprint
  • Contents
  • DIE MITTELALTERLICHEN BLANKWAFFEN DER WIENER WAFFENSAMMLUNG
  • DAS AMBRASER HOFJAGDSPIEL
  • ZUR ERFORSCHUNG DES „GIORGIONISMO“ BEI DENGENERATIONSGENOSSEN TIZIANS
  • DIE TISCHUHR DES JEREMIAS METZKER VON 1564 UND IHRE NÄCHSTEN VERWANDTEN: BEMERKUNGEN ZUR FORMENGESCHICHTE EINER GRUPPE SÜDDEUTSCHER STUTZUHREN DER RENAISSANCE
  • SPANISCHE P0RTRA1TS DES 16. JAHRHUNDERTS
  • Register
  • Abbildungsnachweis
  • Cover

Full text

SPANISCHE P0RTRA1TS DES 16. JAHRHUNDERTS 
Von FRID ERIKE Klauner 
Die große Anzahl von Infanten- und Königsbildnissen der spanischen Habsburger, die aus dyna 
stischen Gründen in der Portraitsammlung des Kaiserhauses zusammengekommen ist — jetzt 
befindet sie sich im Kunsthistorischen Museum - fordert dazu auf, sich damit zu beschäftigen und sie 
als Komplex zu erfassen. Tut man dies, so stellt sich gleich zu Anfang heraus, daß kein anderes 
Land außer Spanien es zu einer so dichten und geschlossenen Produktion von höfischen Familien 
bildern gebracht hat 1 . Der Hauptbestand dieser Portraits, der sich teils in Madrid (im Prado und 
in den Descalzas Reales), teils in Wien befindet, läßt sich in zwei Gruppen teilen: eine, die von 
Anthonis Mor, dem holländischen Begründer dieser Portraitschule, über A. Sänchez Coello, Juan 
Pantoja de la Cruz, Andres Lopez bis zu Bartolome Gonzalez reicht, also von Philipp II. bis zum 
jungen Philipp IV., das ist von ungefähr 1550-1620, und eine zweite, die Veläzquez und seine Schüler 
umfaßt, das entspricht den reiferen Jahren Philipps IV. sowie Karl II., dem letzten spanischen 
Habsburger (gest. 1700). Der auffälligste Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen besteht darin, 
daß das Haupt der zweiten, nämlich Veläzquez, nicht nur, sondern auch Portraitmaler ist, während 
die Maler der ersten Gruppe ausschließlich Portraitisten sind. Die wenigen Kompositionen, die sie 
nebenbei gemalt haben, sind von sehr mäßiger Qualität, denn ihre Grundeinstellung konnten diese 
Maler nicht ändern. 
Der ausschließliche Portraitmaler hat, ganz allgemein betrachtet, eine andere Einstellung zum 
Modell als derjenige, der neben Figurenkompositionen unter anderem auch Portraits malt. Dem 
Maler von Kompositionen sind seine Modelle Mittel zum Zweck, um formale oder inhaltliche Ideen 
mit ihrer Hilfe zur Darstellung zu bringen. Malt er nun ein Portrait, so ist dieselbe Haltung dem zu 
portraitierenden Modell gegenüber zu spüren. Der Portraitmaler hingegen verfolgt bei seiner Arbeit 
keine übergeordnete künstlerische Idee, sondern versucht ausschließlich ein genaues Abbild der 
Erscheinung des Modells zu geben. Formale Probleme werden also nur in geringem Maß behandelt, 
Komposition, überhaupt die bildmäßige Struktur entsteht als Nebenergebnis. Zwangsläufig bedeutet 
das eine Verarmung des Bildgefüges, oder, anders ausgedrückt: fast immer ist der reine Portraitmaler 
schon von vornherein die schwächere künstlerische Kapazität 2 . Aber seine ausschließliche, einseitige, 
geradlinige Gerichtetheit auf das Modell kann ihn befähigen, dem Abbild eine unerwartete Intensität 
zu geben, die allerdings durch außerkünstlerische Vorstellungen begründet ist. Die starke Attraktion, 
die diese Bilder spontan ausüben, wird bewirkt durch die Eindringlichkeit, mit der diese außer - 
künstlerisehen Werte vorgetragen werden. 
In sehr fühlbarer Weise üben die spanischen Portraits, welche die erwähnte erste Gruppe ausmachen, 
diese Anziehung aus, und von da kommt auch der wirkliche Anreiz, sich mit ihnen zu beschäftigen. Wirft 
man einen ersten Blick auf die Reihe dieser Bilder, so hält man sie zunächst für nichts anderes als für 
Nachahmungen der Portraits von Mor, und ihr einziger Unterschied zu diesem scheint darin zu 
bestehen, daß sie eben schlechter sind. Dreht man sich aber, bewegt von einer heimlichen Anziehungs 
kraft, ein zweites Mal nach ihnen um, so entdeckt man, daß der Unterschied nicht nur negativ zu bewerten 
sein kann, daß hingegen eine Kraft spürbar ist, welche die von Mor gegebene Form in fast unmerklicher 
Weise so abändert, daß dem Betrachter die Person des Portraitierten als belebtes Gegenüber suggeriert 
wird. Das geschieht aber nicht durch psychologische Einsicht - die läge nicht im Interesse der Zeit 
also nicht durch eine Belebung des Inneren, sondern durch eine Belebung des Äußeren, der Haltung und 
der Meinung, die sie zu haben hat. 
') Nur die französischen Bildniszeichnungen des F. Clouet und seines Umkreises sowie die Miniaturportraits von N. Hilliard 
sind quantitativ damit vergleichbar. 
2 ) Über die Rolle, die das Porträtieren in der Laienmalerei spielt, siehe N. Michailow, Zur Begriffsbestimmung der Laien 
malerei, Zeitschrift für Kunstgeschichte, Bd. 4/1935.
	        

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